Wie begegnen wir Menschen, die einen schweren Verlust erlebt haben? Was hilft ihnen wirklich – und wie können wir als Gesellschaft offener mit Trauer umgehen? Diese Fragen standen am Mittwoch, 21. Oktober, im Mittelpunkt der Veranstaltung „Aus Verlegenheit Mut machen: Wie wir Trauernde sicht- und hörbar machen“ in der Stadtbibliothek Koblenz. Zu der gemeinsamen Veranstaltung hatten die Stadt Koblenz, der Förderverein Lesen und Buch und die Stadtbibliothek eingeladen.
Im Mittelpunkt stand Sandra Engels autobiografisches Buch „Mein Leben mit einem Zebra im Kopf“. Ihre Lesung machte deutlich: Jeder Mensch trauert anders – so individuell wie das Muster eines Zebras. Zugleich sprach die Autorin darüber, was Betroffene im Umgang mit ihrer Trauer brauchen und wie ihr Umfeld sie unterstützen kann. Ihre Botschaft: Offen auf die Betroffenen zugehen, fragen, was ihnen guttun würde. Und wenn die Worte fehlen, einfach stille Gesellschaft anbieten.
Literarische Impulse zu Trauer und Zuversicht steuerte Gisela Nülle vom Förderverein Lesen und Buch – Freunde der Stadtbibliothek Koblenz e. V. bei. Die drei musikalischen Beiträge von Jonatan Ide am Cello verliehen dem Abend einen stimmungsvollen Rahmen.
Im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Claudia Schönershoven, stellvertretende Geschäftsführerin des Koblenzer Hospizvereins, diskutierten Sandra Engels, Trauerbegleiterin Nathalie Ide und Kulturdezernent Ingo Schneider über persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Verantwortung und die Unterstützung Trauernder.
„Trauer ist eine der universellsten Erfahrungen, die Menschen machen. Aber leider auch eine der einsamsten“, betonte Nathalie Ide. Trauerbegleitung bedeute, Menschen in ihrer Trauer nicht allein zu lassen, sie gemeinsam auszuhalten und zu unterstützen. Dafür brauche es vor allem Mut und die Bereitschaft, einfach da zu sein – auch wenn die richtigen Worte fehlen. Sie verwies auf einen Gedanken der Trauerexpertin Chris Paul: „Trauern ist die Lösung und nicht das Problem.“
Claudia Schönershoven betonte, wie wichtig es sei, präsent zu sein und nicht wegzuschauen. Denn Trauer ist eine Erfahrung, die viele Menschen verbindet und zugleich sehr einsam machen kann. Angebote wie Trauercafés und gemeinsame Ge(h)spräche schaffen Räume, in denen Trauernde anderen begegnen und sich verstanden fühlen.
Kulturdezernent und Schirmherr Ingo Schneider berichtete von eigenen Erfahrungen mit Abschied und der Begleitung durch den Hospizverein. Er betonte, wie wertvoll diese Unterstützung sei: „Ich bewundere sehr, was Sie machen und halte es für unwahrscheinlich wichtig.“ Zugleich hob er hervor, dass auch Kultur ein verbindendes Element sein und helfen könne, Trauer auszuhalten.
Zum Abschluss waren alle Podiumsgäste eingeladen, einen Wunsch zu formulieren, der Trauernden mehr Sichtbarkeit und Gehör verschaffen könnte. Sandra Engels wünschte sich mehr öffentliche Veranstaltungen zum Thema Trauer. Nathalie Ide griff einen Gedanken der Trauerexpertin Chris Paul auf: „Trauern ist die Lösung und nicht das Problem.“ Ingo Schneider unterstrich ebenfalls, dass Trauer stärker in die Öffentlichkeit gebracht werden müsse – beispielsweise auch in Schulen.
Der Abend zeigte eindrücklich: Trauer betrifft uns alle. Es hilft, hinzusehen, zuzuhören und den Mut zu haben, auf Menschen zuzugehen.
