Mitte Oktober fanden vor interessiertem Fachpublikum ein Kurzvortrag und ein anschließender Panel-Talk zum Thema Sterbehilfe in Einrichtungen statt.
Dr. Jürgen Prusseit, langjähriger Palliativmediziner im Koblenzer Hospizverein, gab zunächst einen Überblick über die aktuelle Rechtslage zum assistierten Suizid. Das Interesse der Bevölkerung an diesem Thema ist spätestens seit dem gemeinsamen Suizid der Kessler-Zwillinge sehr groß. Prusseit machte deutlich, dass nach wie vor ein gesetzlicher Rahmen fehlt. Zudem gibt es in Deutschland keine Meldepflicht für assistierte Suizide.
Auf dem Podium tauschten sich anschließend Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen über die aktuelle Situation und ihre Herausforderungen aus: Manuela Götz, Leiterin des stationären Rhein-Wied-Hospizes, Josef Schmitt, ehemaliger Krankenhauspfarrer und Vorstandsmitglied des Koblenzer Hospizvereins, sowie Georg Beule von der Marienhaus-Gruppe.
Auch in der Marienhaus-Gruppe mit ihren rund 14.000 Mitarbeitenden gewinnen Fragen des assistierten Suizids und der Suizidprävention zunehmend an Bedeutung. Besonders in den Hospizen und Senioreneinrichtungen stellen sich diese Fragen derzeit sehr konkret. Georg Beule von der Stabsstelle Ethik und Werte erläuterte, dass solche Situationen Mitarbeitende und Angehörige vor schwierige Herausforderungen stellen können. Wichtig sei es, die Wünsche und Nöte der betroffenen Menschen ernst zu nehmen, offen über Sterbewünsche zu sprechen und gemeinsam nach Möglichkeiten der Begleitung und Unterstützung zu suchen.
Manuela Götz setzt sich dafür ein, eine hospizliche Kultur in der Gesellschaft zu verankern und weiterzutragen.
Josef Schmitt schilderte seine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Sterbenden. Immer wieder habe er große Dankbarkeit erlebt, wenn Menschen in ihren letzten Wochen und Tagen gut begleitet wurden. „Das Wichtigste ist es, da zu sein und da zu bleiben.” In diesem Sinne engagiert er sich mit Überzeugung für die Hospizbewegung.
Georg Beule betonte außerdem, dass die Suizidprävention bislang zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. Gerade bei älteren und schwer kranken Menschen sei es wichtig, auch die Sorgen, Ängste und Belastungen wahrzunehmen, die hinter einem Sterbewunsch stehen können. Manuela Götz griff das auf und betonte, wie wichtig entsprechende Fortbildungen für das Pflegepersonal sind. „Wir können nicht alle erreichen, aber wir können eine Quelle für hospizliche und palliative Haltung sein.”